Mein Laptop ist ein Mistkerl

Mein Laptop ist ein echter Mistkerl. Das heißt… ob er ein Kerl ist, weiß ich natürlich nicht; eigentlich sind Maschinen ja eher geschlechtslos. Vielleicht fühlt er sich auch weiblich. Aber wisst ihr was? Das ist mir egal. Über den Punkt, an dem ich Rücksicht auf seine (ha!) Gefühle nähme, bin ich längst hinaus. Wenn er sich wie ein Mistkerl verhalten will – bitte, dann nenne ich ihn auch so. Und da „der Laptop“ nun einmal grammatikalisch maskulin ist, muss er damit leben, dass ich ihn „ihn“ nenne.

Den Mistkerl.

Warum ich so sauer bin auf ihn? Weil er sein bestes tut, mir das Leben schwer zu machen. Da sind zunächst einmal die alltäglichen Kleinigkeiten: Updates werden exakt dann installiert (und der Computer dafür neu gestartet), wenn ich gerade etwas Wichtiges tun will; mein Schreibprogramm stürzt immer dann ab, wenn ich gerade mehrere Seiten ohne Zwischenspeichern geschrieben habe; ZIP-Ordner werden sowieso erst einmal beim Herunterladen korrumpiert, denn das macht so viel Spaß, dass ich es bestimmt immer zweimal machen möchte.

Jedes einzelne Mal, dass so etwas passiert, ist natürlich nicht so schlimm. Zermürbend ist allerdings die Regelmäßigkeit, mit der das geschieht. Dennoch: Wäre das das Einzige, ich könnte damit leben. Sicher geht es auch anderen Laptopbesitzern und -benutzern so, und die kommen auch damit zurecht, ohne ihre Computer zu beschimpfen, oder? Ich gehe zumindest davon aus.

Mein Laptop jedoch hat heimtückischere Mittel ersonnen. Wie bei den meisten Computern (Tablets mal ausgenommen, aber ich bin nicht sicher, ob die wirklich als Laptops zählen oder nicht vielmehr übergroße Smartphones mit eingeschränkter Telefonfunktion sind…? Aber das ist ein Thema für einen anderen Tag) ist mein hauptsächlicher Befehlkanal die Tastatur. Ich nutze sie, um Dateien zu markieren, zu öffnen, zu bearbeiten; um Webadressen in den Browser zu tippen und Passwörter an gesicherte Seiten zu übermitteln. Vor allem aber benutze ich sie um zu schreiben – jede Woche mindestens 500 Wörter, meistens mehr, und wenn ich alle E-Mails und Forenbeiträge hinzuzähle, die ich so tippe, kommt eine ganze Menge zusammen.

Schreiben ist wichtig für mich.

Und das weiß mein Laptop. Er weiß es, und er verwendet es gegen mich. Absichtlich; davon bin ich überzeugt.

Immer wieder fallen Teile der Tastatur aus – einzelne Tasten meistens, und immer andere. Ich tippe so vor mich hin, und dann lese ich das Wort, das ich gerade geschrieben habe, und es ist nur Wrt. Oder Wot. Oder Ort, weil es am Satzanfang stand und das Schreibprogramm brav jedes erste Wort eines Satzes großschreibt. In solchen Fällen darf ich dann zwei Buchstaben neu tippen.

Besonders gern fällt die q-Taste aus, und ich glaube, ich weiß, warum: Weil auf derselben Taste auch das @ liegt. Wie oft bin ich schon von meinem Mailprovider nicht reingelassen worden, weil ich versucht habe, mich mit einer Mailadresse ohne @ einzuloggen? Manchmal muss ich fünf, sechs, sieben Mal auf diese Taste einhämmern – und dann löst sich die Sperre plötzlich, und meine Adresse lautet name@@@mail.de.

Besonders heimtückisch ist das jedoch bei Passwörtern. Die sieht man ja nicht beim Eintippen, und nicht immer zähle ich die Sternchen (ich weiß ja nicht einmal auswendig wie viele Buchstaben welches meiner Passwörter hat). Ich tippe und denke mir nichts und klicke auf „Login“, und schon unterstellt man mir, mein Passwort vergessen zu haben. Nein, du blöder Mailprovider, ich habe es nicht vergessen! Ich habe mich nicht einmal vertippt! Nur mein Laptop, der Mistkerl, hat mich mal wieder sabotiert.

Und weil er besonders sicherheitsbewusst ist, der Mailprovider, darf ich auch meine Mailadresse noch einmal neu eintippen. Verdammt, schon wieder kein @. @! Schreib @, du verdammter Mistkerl! @@@ – na bitte, geht doch. Außer dass ich jetzt schon wieder zwei falsche weglöschen muss.

Und das jeden Tag. Bei jedem Login. Bei jedem Passwort. Manchmal bei jedem Wort – fünfhundert Mal pro Woche.

Was für ein Mistkerl.

(26.09.2013, 635 Wörter, inklusive elfmal @. Trotz aller Widerstände des Subjekts dieses Essays. Hah!)

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2 Kommentare

  1. Oh, das kenne ich! Bei mir ist es besonders gerne die Dauer-Großschreibetaste, die unbemerkt bei Passwörtern oder beim tippen einrastet. Und dann muss man gleich alles nochmal tippen, und das können schon mal mehrere Absätze sein.

  2. melinda47 · · Antwort

    Besonders ärgerlich, wenn das Programm abstürzt, bevor man gespeichert hat. Wenn man dann wenigstens ein fotographisches Gedächtnis hätte…

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