Herbst

Die Blätter fallen, wie der Regen fällt:
Nass, kalt und hässlich, und die ganze Welt
Scheint in ein graues, schmutziges Gewand
Gehüllt. Ich halte mir mit klammer Hand
Den Mantel zu und fliehe schnell ins Warme,
In meine Wohnung und in deine Arme.
Du hast schon Tee mit Honig aufgesetzt,
Und während draußen Sturm das Laub zerfetzt
Und kalter Wind um alle Häuserecken
heult, wickeln wir uns in warme Decken.
Du hältst mich fest und wärmst mir kalte Zeh‘n,
Und während ich mich noch nach Sommer sehn,
Bringt mir dein Lächeln Sonne in den Sinn.
Ich spür, solange ich nur bei dir bin,
Kann mich der Herbst mit allen seinen Winden,
Mit Regen, Nebel, nassem Laub nicht finden,
Kann mir nichts anhaben, denn ich bin hier,
Wo immer Wärme ist: Mein Schatz, bei dir.

(17.10.2013, 136 Wörter. Diese Woche gibt’s wieder mehrere kurze Texte zu einem Thema… Die restlichen 364 Wörter folgen morgen.)

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ein Kommentar

  1. Aw, wie kuschelig alltäglich. Es kommt sehr viel Atmosphäre auf, draußen kalt und grau und innen warm und honigdurftend. Ich kann mir die Bilder alle sehr gut vorstellen. Und bin sehr froh, dass ich auch grad so schön im Warmen sitze. Hm, ich glaube bloß, ich bin einfach kein Fan von Ejambements. Oder zumindest nicht davon, sie zu lesen, vorgetragen fallen sie mir meistens gar nicht auf. Nur wenn ich ein Gedicht tatschlich lese, dann reißt mir da immer der gedankliche Faden bei Ejambements. Zumindest bei diesen krassen, wo nicht ein ganzer Teilsatz, sondern nur ein einzelnes letztes Wort eines Satzes oder Teilsatzes in die nächste Zeile gezogen wird (Gewand/gehüllt, Häuserecken/heult). Also eine Trennung räumlich/schriftbildlich gemacht wird, die man intuitiv grammatikalisch nicht so ziehen würde. Womöglich ist das gerade der Sinn dieses Stilmittels… Nun ja. Ich weiß es nicht. Aber das ist eventuell Geschmacksache, oder vielleicht sind einfach Gedichte generell zum Vortragen gedacht.

    Bei ganz grammatikalisch und inhaltlich wilden Gedichten, die nicht so narrativ sondern eher, wie soll ich sagen, assoziativ daher kommen, da ist es irgendwie kein Problem. Vielleicht ist es auch das. Das Gedicht hier sieht aus wie eine Erzählung, und das mit den einzelnen Wörtern, die aus den Zeilen verschoben werden, stößt dabei auf, erinnert zu sehr dran, dass es keine Geschichte ist. Die Reime tun das zwar auch, aber irgendwie kommen die schon wieder natürlich daher… ach ja, ich will mich gar nicht an dem Stilmittel aufhängen. Ich wollte dich nur wissen lassen, was mir zu deinem Gedicht in den Sinn kommt. Verschnupften Gruß aus N.!

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