Mein Glühwein-Rezept

Es ist Winter, zumindest aus Sicht der Meteorologen – die Astronomen lassen sich noch bis zum 21. Zeit, bevor sie ihn offiziell machen. Das Wetter gibt ihnen zumindest in Berlin momentan recht. Kein Schnee weit und breit, seit Xaver sich verzogen hat, ward nicht eine Flocke mehr gesehen.

Dennoch, kalt ist es, erst recht, wenn der Wind so richtig pfeift (und das tut er gern in Berlin – nicht umsonst nennt sich der Tiergarten „grüne Lunge“, er atmet tatsächlich ein und aus), und so ziehe ich schon einmal meinen langen schwarzen Mantel an und hülle mich in Schals und Halstücher, um mich vor den Hustenviren zu verstecken (so funktioniert das doch, oder?). Abends, auf dem Heimweg, brauche ich auch schon mal Handschuhe. Auf dem Weg zur Arbeit wärme ich mir die Finger an einem Becher Kaffee.

Den allerdings kann ich bei jedem Wetter trinken; was aber trinke ich abends, wenn ich verfroren nach Hause komme und mich nach einem Heißgetränk sehne, das mich noch schlafen lässt? Unter der Woche gibt es dann einen schönen Kräuter- oder Früchtetee, aber am Wochenende gönne ich mir etwas Feineres. An einem kalten Winterwochenende gibt es das eine, einzige Getränk, das mir den Winter nicht nur erträglich, sondern tatsächlich ersehnenswert macht: Glühwein.

Köstlicher, heißer Wein, mit frischem Orangensaft gemischt und mit Zimt, Nelken, Zitronenschale und Sternanis verfeinert – ein Genuss für die Nase, schon lange bevor man den ersten Schluck trinkt! Ein wunderbares Gebräu, das Geist und Körper stärkt, das Blut wärmt und das Herz höher schlagen lässt.

Allerdings, auch hier muss man aufpassen. In den Supermärkten lauert um diese Zeit, zwischen Lebkuchengebirgen und Weihnachtsmannrotten, flaschenweise übles Gesöff, mit dem irreführenden Titel „Glühwein“ versehen. Freunde, tut euch das nicht an! Vielleicht nach den ersten paar Tassen, wenn der Alkohol die Geschmacksknospen betäubt hat und sowieso schon egal ist, was ihr euch in die Kehle schüttet – dann mag es auch einer dieser überzuckerten Küchenalpträume tun. Wenn ihr aber genießen wollt, dann gönnt es euch, ihn frisch zu machen. Es ist auch gar nicht schwer:

Man nehme eine Flasche Rotwein, den guten, trockenen, aber nicht den allerbesten; einen von der Sorte, die man leichthin zum Essen trinken kann. Der Wein kommt in den Topf, die Flasche ins Altglas (ich muss zugeben, das ist der Schritt, der mir persönlich am schwersten fällt). Eine frische Orange wird ausgepresst und ihr Saft zum Wein gegeben. Die Fleißigen nehmen zwei; die Faulen nehmen Orangensaft aus der Packung. Eine halbe Stange Zimt, drei Nelken, eine Prise Zitronenschale und ein Hauch Anis (wer kein großes Gewürzregal hat, schummelt und hängt stattdessen einen Beutel Glühweingewürz in den Topf – ich sag‘s auch nicht weiter), ein paar Minuten ziehen lassen, aber keinesfalls zum Kochen bringen, und schon füllen wunderbare Düfte die Küche und den Koch. Zucker kommt keiner hinein; der Fruchtsaft ist süß genug, da braucht zusätzlichen Zucker nur, wer an der Qualität des Weines gegeizt hat.

Ist der Glühwein dann eingeschenkt, benötigt man noch ein bequemes Sofa, einen lieben Menschen und einen ruhigen Abend. Sternenhimmel ist optional, aber immer ein Gewinn. Am besten schmeckt der Glühwein in Gegenwart des oder der Liebsten, aber auch die Gesellschaft guter Freunde verleiht ihm eine ganz besonders feine Note.

In diesem Sinne: Prost, und auf einen schönen Winter!

(12.12.2013, 541 Wörter. Heute mal ein Rezept! Allerdings, so knapp wie ein Kochbuch vermag ich mich dann doch nicht zu fassen. Ich Labertasche. Ob‘s am Alkohol liegt? ;-) Prost!)

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6 Kommentare

  1. Kurz fassen? Nix da! Unter 500 Wörtern kommst du mir nicht weg. Auch nicht im Rezeptpflichtigen Winter ;-)

    1. Dann ist ja gut, dass ich so eine Laberbacke bin ;-)

  2. Dem stimme ich uneingeschränkt zu, hicks!

  3. Ohmnohm, Glühwein. Ich habe mir dieses Jahr gar nicht die Zeit genommen, ihn mal selber zu machen, war immer nur ein Gourmand der Fertigflaschen…… aber wenigstens gab es deine selbstgemachte Feuerzangenbowle. :-) Und das ist nun wirklich was Feines.

  4. Ein schöner Weg, ein Rezept schmackhaft zu machen! Ich bekomme Lust, gleich wieder einen aufzusetzen. Obwohl ich nach dem letzten Versuch im Dezember zu dem Schluss kam, lieber die Zutaten ins Essen zu geben und den Wein pur dazu zu trinken. ;)

    1. Danke! :-)

      Ja, ein guter Wein schmeckt natürlich auch ohne Gewürze drin.

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