Bald wird es dunkel sein

Bald wird es dunkel sein, mein Schatz, bald werden schwarze Schatten

Die Welt verhüllen und die Augen blind

Für alle Schönheit machen. Aber meine sind

Gefüllt von all den schönen Stunden, die wir hatten,

Von all den Stunden, die ich dein Gesicht betrachten konnt‘,

Und sähe ich dich nie mehr, wüsst ich doch,

Wie schön du bist. Auf meiner Netzhaut leuchtet noch

Dein Bild, ist eingebrannt, als hätt‘ ich mich gesonnt

In deiner Schönheit, deinem Strahlen, deinem Glanz.

Ich wünscht, ich könnt‘ mich länger noch im Licht

Von deiner Schönheit sonnen noch, doch geht es nicht.

Du wirst bald geh’n. Ich wünschte mir, du bliebest ganz.

 

Bald wird es dunkel sein, mein Schatz, bald wird die Sonnenscheibe

Versinken, und dann sind wir ganz allein.

Bald wird der letzte Rest des Tags vergangen sein.

Willst du nicht bei mir bleiben, Schatz? Oh bitte, bleibe!

Wenn dieser Tag nur noch Geschichte ist und uns die Nacht

Mit ihrem dunklen Arm umfängt und hält,

Dann lass mich nicht allein. Um nichts in dieser Welt

Möcht ich allein sein jetzt. Mit aller meiner Macht

Fleh ich dich an, mein Schatz, willst du die Nacht mit mir verbringen?

Wir könnten ihrer Kälte widerstehen

Und Arm in Arm der Finsternis entgegensehen.

Mit dir an meiner Seite kann ich sie bezwingen.

 

Bald wird es dunkel sein, mein Schatz, bald wird es kühler sein,

Willst du dich nicht in meinen starken Arm,

In meine Obhut geben? Komm, ich halt dich warm!

Willst du schon gehen? Bleibe doch, ich lad dich ein!

Dort draußen wird die Kälte dir in deine Glieder dringen.

Das Dunkel wird dir deinen Weg verstellen.

Gefährlich ist es draußen. Bleib bei mir im Hellen,

Wo dir die Welt nicht schaden kann. Und dann verbringen

Wir diese Nacht gemeinsam. Komm doch weg von dieser Tür!

Geh nicht, bleib hier, vertreib die Einsamkeit,

an der ich leide, und ich schütze dich vor Leid.

Es wird dir nichts geschehen, bleibst du heut bei mir.

 

Bald wird es dunkel sein, mein Schatz, bald muss ich alle Schlösser

Verschließen. Willst du dann nicht drinnen sein?

Willst du denn wirklich in die Finsternis allein?

Die Kälte? Die Gefahr? Hier drinnen ist es besser.

Bleib bei mir, ich verspreche es, dir wird kein Leid geschehen,

wenn du nur bei mir bleibst, mich nicht verlässt.

Ich werd dich halten, wenn du Angst hast, halt dich fest,

Ich halt dich warm und schütze dich, du wirst schon sehen

Dass es dir gut geh’n wird bei mir, dass du nichts fürchten musst.

Bleib nur bei mir, dann wird schon alles gut.

Lass los die Klinke, komm zu mir, fass neuen Mut

Gemeinsam machen wir die Nacht zum Tag mit Lust.

 

Bald wird es dunkel sein, mein Schatz, und niemand wird dich hören.

Die Leute schließen Tür und Herzen zu.

Die Nacht ist grausam. Leg dich hin und komm zur Ruh,

und ich verspreche, nichts wird deine Ruhe stören.

Ich halte Wache hier für dich, dass niemand außer mir

Dir wehtut oder dich berühren kann.

Ich bin doch alles, was du brauchst! Was willst du dann?

Warum willst du mich denn verlassen? Bin ich dir

Nicht gut genug? Fühl meine starken Arme, die dich schützen!

Sie halten dich, sie halten alles fern

Was dir die Ruhe nimmt. Du bist mein Augenstern.

Ich werd dich hüten. Bleib! Dein Schreien wird nichts nützen.

 

(21./22.05.2014, 555 Wörter)

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3 Kommentare

  1. Sehr intensiv, sehr düster, aber gut. Passend zu diesem Regentag. Spontan musste ich an den Erlkönig denken.

    1. Vielen Dank! Das ist natürlich ein Vergleich, der mich sehr ehrt :-) Danke!

  2. Ui, das ist ja ein ganz schön düsterer Text. Der nimmt einen ganz schön mit – mich zumindest.

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