Fünfhundert Wörter

„Fünfhundert Wörter die Woche? Du willst echt jede Woche fünfhundert neue Wörter schreiben?“

„Naja, also, neue Wörter eher nicht. Die meisten Wörter, die ich benutze, sind relativ alt.“

„Du weißt genau, was ich meine.“

„Weiß ich das?“

„Jetzt lenk nicht ab. Du versuchst nur Wörter zu schinden.“

„Stimmt. Ich meine, ja, damit hast du vollkommen recht, und ich muss dir komplett zustimmen.“

„Du machst es schon wieder.“

„Ich weiß.“

„Schämst du dich nicht?“

„Doch, eigentlich schon. Aber was soll ich machen? Mir fällt gerade echt nichts mehr ein.“

„Selber schuld, oder? Ich meine, das mit dem Blog war schließlich deine eigene Idee.“

„Ja, schon, aber… Also, damals kam mir das wie eine gute Idee vor.“

„Und jetzt nicht mehr?“

„Jetzt nicht mehr. Zumindest im Augenblick. Weil mir eben einfach nichts einfällt.“

„Wie gesagt: Selber schuld.“

„Ich weiß. Musst du es auch noch reinreiben?“

„Ja.“

„Warum?“

„Weil es mir Spaß macht.“

„Ein toller Freund bist du.“

„Wer hat gesagt, dass ich dein Freund bin?“

„Niemand, du hast ja recht. Wir müssen auch nicht weiterreden. Mir wird irgendwann schon irgendwas einfallen, wie bisher jede Woche.“

„Außer einmal.“

„Stimmt, einmal ist mir nichts eingefallen, und ich habe einen alten Text hochgeladen. Vielleicht sollte ich das wieder machen…?“

„Klar, kannst du. Wenn du zu faul bist, was neues zu schreiben…“

„Was heißt hier zu faul? Ich habe diese Woche jede Menge geschrieben. Nur halt für längere Sachen. Und jetzt soll ich zusätzlich noch fünfhundert neue Wörter schreiben?“

„Ich dachte, du würdest so viele alte Wörter verwenden.“

„Ach, halt die Klappe.“

„Ich bin ja schon still. Aber mal ernsthaft, warum machst du das? Warum hast du dir überhaupt diese Aufgabe gestellt? Wem würde es weh tun, wenn du es mal eine Woche lang ausfallen lässt?“

„Mir. Darum geht es doch eigentlich: Dass ich was durchziehe. Dass ich mir angewöhne, jede Woche wirklich etwas Neues zu produzieren, damit ich die nötige Übung kriege, um gut zu sein. Das ist wie mit Sport: Da muss man auch jede Woche, oder sogar öfter, trainieren gehen, um wirklich gut zu sein. Profisportler trainieren jeden Tag. Die können sich auch nicht hinsetzen und sagen ‚Ach, gestern war ich schon ne Runde joggen, da kann ich heute ja mal ne ruhige Kugel schieben‘. Die müssen sich jeden Tag wieder aufraffen.“

„Aber was bringt es dir denn, wenn du irgendein Blabla schreibst?“

„Wie gesagt, Übung. Außerdem probiere ich ja auch immer wieder neue Formen aus. Diese Woche zum Beispiel schreibe ich meine Gedanken als Dialog, als ob ich mit einer anderen Person reden würde.“

„Und das funktioniert? Wird das nicht schnell langweilig?“

„Keine Ahnung, aber das sehe ich erst, wenn ich es ausprobiere, oder?“

„Stimmt.“

„Also. Und jetzt hilf mir, hier ein bisschen weiterzukommen.“

„Warum? Außerdem müsstest du gleich fertig sein.“

„Stimmt. Genau… jetzt.“

 

(15.06.2014, 500 Wörter. Punktlandung! Ja, ein bisschen geschummelt ist es vielleicht schon… Nächste Woche gebe ich mir mehr Mühe.

Wahrscheinlich.)

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9 Kommentare

  1. Wie schön ehrlich. Und amüsant, wie sie miteinander diskutieren, die beiden Stimmen und sich gegenseitig das Wort (die Wörter?) im Mund umdrehen:-)

  2. Volltreffer!
    Falls es einmal nicht klappen sollte mit den 500 Worten pro Woche: Du hast aus den letzten 100 Wochen noch mindestens 100.000 Worte über Plansoll auf der Guthabenseite!

    1. Leider sind Wörter nicht wie Geld und lassen sich nicht ansparen… Sonst hätte ich sie vielleicht klug anlegen und von den Zinsen leben können. Aber was passiert, wenn man versucht, Wörter künstlich zu vermehren, haben wir ja in Re-Animatrix gesehen ;-)

  3. Ich wusste bis heute Morgen nicht, was ich schreiben sollte. Mir kommen oft spontane Ideen, Augenblickentscheidungen. Und der Alltag gibt immer eine Menge her. Der Knackpunkt bei Blogs ist die Regelmäßigkeit. Ein Text pro Woche und man verliert die Übung. Ein Text pro Tag und Routine stellt sich ein. Und eine gewisse Oberflächlichkeit. Daher schweige ich oft an Wochenenden. Aber ich war sowieso nicht im Internet. Und noch weniger zu Hause.

    Deine Idee mit dem Dialog fand ich aber Klasse! Ich mag Dialoge sehr. Sie bringen Texte oft dynamischer voran.

    1. Vielen Dank!

      An den anderen Tagen schreibe ich ja auch, nur nicht für den Blog. Und ab und zu möchte mein Liebster auch, dass ich etwas Zeit mit ihm verbringe ;-)

      1. Wie jetzt, Zeit? :P Scheib ihm eine Geschichte, dann freut er sich.

        Spaß beiseite. Wenn ich tippe ist meine Elfe meist dabei, oder in der Nähe. Oft kannst du uns Rücken an Rücken – durch Kissen gerennt – auf dem Sofa erleben. Ich tippe, sie liest und beschimpft mich. Ich Ärmste … :D

  4. Wer kennt das nicht…das leere Blatt Papier/den leeren Bildschirm… schrecklich! ;-)

  5. Herrlich! Was für ein Spaß diesen Dialog zu lesen! Ich mag die Idee mit den wöchentlichen 500 Wörtern – viel Spaß weiterhin!

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