Choose your own adventure: Probleme (Teil 2)

(Teil 1)

„Aaaah!“

Dir ist nur allzu bewusst, dass das zu diesem Zeitpunkt mehr als nur unoriginell ist, aber bei dem Anblick eines Teufels in deinem Badezimmer und der Hörner, die aus deiner Stirn wachsen, ist es das einzige, was dir einfällt.

Der Teufel verdreht die Augen und massiert sich die Nasenwurzel. „Okay, okay, ich hab‘s verstanden. Du bist nicht begeistert. Ich auch nicht, weißt du? Aber dummerweise bin ich das arme Schwein, das alles wieder in Ordnung bringen muss. Und dafür brauche ich dich.“

„Warum mich?“, jammerst du und wirfst noch einmal einen Blick in den Spiegel. Nein, deine Hörner sind nicht verschwunden. Sie scheinen sogar noch ein Stückchen größer geworden zu sein. Es sieht nicht so aus, als würde sich dieses Problem von alleine lösen. Ob du vielleicht doch dem Teufel zuhören solltest?

Er scheint dieser Meinung zu sein, jedenfalls fängt er schon an zu erklären: „Ihr Menschen denkt vielleicht, dass Gott alles regelt. Oder meinetwegen das Schicksal, der Zufall oder die Weltverschwörung der freimauernden Echsenmenschen; was das betrifft, legt ihr eine enorme Kreativität an den Tag. Ist natürlich alles Bullshit. Da unten“, er zeigt wieder auf den Fliesenboden, aber inzwischen weißt du, was er damit meint, „herrscht, ebenso wie da oben“, er zeigt auf die Decke, und du folgst der Richtung seines Fingers. Meint er den Himmel oder den Dachboden? „…und hier“, fährt er fort, „die Bürokratie. Ich wünschte, ich könnte wenigstens sagen, dass wir die erfunden haben, aber Bürokratie ist wohl so was wie ein Naturgesetz. Ein Axiom der Schöpfung. So grundlegend wie die Schwerkraft, die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum und die Ungeradzahligkeit von Socken.“ Er seufzt. Du hast das Gefühl, dass du jetzt etwas Tröstendes sagen solltest, aber dir fällt nichts ein, und außerdem ist das alles ja auch eigentlich nicht deine Schuld. Oder?

„Was hat das denn jetzt mit mir zu tun?“, wagst du einzuwerfen.

Der Teufel zieht eine Grimasse. „Tja, in unseren tollen bürokratischen Listen steht auch, wer wo hingehört. Ich gehöre in die Hölle, du gehörst auf die Erde, und so sehen wir auch aus. Normalerweise. Nur ist uns eben was durcheinandergeraten, und jetzt liegen ein paar Personalakten im falschen Schrank… und es werden automatische Anpassungen vorgenommen.“ Er zeigt auf deine Hörner.

„Aber ich will nicht in die Hölle“, jetzt bekommst du es mit der Angst zu tun. Für Feuer und Schwefel und so bist du nicht besonders zu begeistern.

„Wir wollen dich da auch nicht“, gibt der Teufel knallhart zurück, und obwohl du weißt, dass das ja eigentlich gut für dich ist, fühlst du dich davon irgendwie beleidigt. „Was aber noch viel schlimmer ist, deine Akte ist nicht die einzige, die verschoben wurde. Und um alles wieder in Ordnung zu bringen, muss ich alle Betroffenen finden und an ihre angestammten Plätze zurückbringen.“

„Aber ich bin doch auf der Erde“, wirfst du ein, „da, wo ich hingehöre. Kannst du nicht einfach meine Akte wieder zurückstecken, die Hörner verschwinden lassen und mich in Ruhe lassen?“

„Könnte ich“, gibt er zu. „Will ich aber nicht. Ich brauche Hilfe, um alle Vertauschten zu finden, denn einige haben es etwas früher bemerkt als du und sind von dort verschwunden, wo sie sein sollten. Und je schneller ich sie alle finde, desto schneller kann ich auch deinen Fall in Ordnung bringen. Mir zu helfen ist also quasi eine Win-win-Situation für dich.“ Er grinst dich mit dem besten Vertreterlächeln an, und dir läuft ein eiskalter Schauder über den Rücken. So grinst ein Handyverkäufer, der dir gerade einen Zehnjahresvertrag für ein Handy mit zwei Jahren Lebensdauer aufgeschwatzt hat. So grinst ein Gebrauchtwagenhändler, der dir fünfzehntausend Euro für einen verbeulten Fiat Cinquecento abgeknöpft hat.

So grinst ein Teufel, der mit dir einen Pakt schließen will. Aber welche Wahl hast du schon?

 

(15.08.2014, 625 Wörter. Gleiches Spiel wie letztes Mal: Stimmt einfach mit dem Abstimmungs-Tool ab, wie es weitergehen soll. Nach ein paar Wochen schließe ich die Abstimmung und schreibe die Fortsetzung entsprechend eurer Auswahl.

EDIT: Vielen Dank fürs Abstimmen! Hier ist Teil 3.)

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6 Kommentare

  1. Gefällt mir sehr!

  2. Aber du änderst deine Geschichte ja nciht wirklich, je nachdem, wie wir abstimmen. Im Endeffekt läuft es doch aufs gleiche raus, oder?

    1. Dochdoch, es passieren schon unterschiedliche Dinge. Wenn ihr den Teufel rausschmeißt, geht er auch – das heißt zwar nicht, dass die Probleme automatisch vorbei sind, aber es geht dann auf jeden Fall anders weiter.

      1. Ah, ich dachte schon, dass der Teufel dann dennoch bleibt, aber andere Überredungskünste zeigt …

  3. Er müsste mich nur fragen, so von Teufel zu Biest, und ich würde helfen :D Ist doch mal was anderes.

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