Choose your own adventure: Probleme (Teil 4)

(Teil 3)

Nachdem du dich für den Indiana-Jones-Hut entschieden hast, betrachtest du dich noch einmal im Spiegel. Schick siehst du aus, verwegen und durch nichts zu erschrecken. Du hoffst, dass sich das möglichst schnell auf deine innere Verfassung überträgt. Dann schaust du auf die Uhr und erschrickst. Verdammt, jetzt musst du aber wirklich los.

Du beeilst dich zur U-Bahn zu kommen. Wenigstens dieses eine Mal hast du Glück, und sie fährt in genau dem Augenblick ein, in dem du die Station betrittst. Schnell quetschst du dich zu den anderen Berufspendlern in die volle Bahn. Einen Sitzplatz kannst du vergessen, aber du schaffst es, einen Platz an der Haltestange in der Mitte zu ergattern. Dann schließen sich die Türen, und die Bahn fährt an. Du wirfst einen letzten Blick auf die U-Bahnstation, die du gerade verlässt. Ein paar Leute, die wohl gerade ausgestiegen sind, gehen den Bahnsteig entlang. Einer von ihnen fällt dir besonders auf – er ist ganz in Weiß gekleidet und hat so helle Haut und Haare, dass er fast zu leuchten scheint; gerade, als er an einer dunklen Säule vorbeiging, sah es beinahe aus, als hätte er einen Heiligenschein.

Du schüttelst den Kopf. Dieser verdammte Teufel hat dir echt den Kopf verdreht. Gut, dass das vorbei ist. Du atmest tief durch und versuchst, in deine übliche Pendler-Trance zu kommen.

Die Bahn hält an der nächsten Station, und einer der Aussteigenden stößt gegen deinen Hut. Im letzten Augenblick kannst du ihn festhalten. Du rückst ihn wieder zurecht und schaust dich vorsichtig um. Hat jemand etwas bemerkt? Doch die Leute um dich herum sind ebenso in sich selbst versunken, wie du es bis eben warst, und niemand widmet dir auch nur einen zweiten Blick. Du wagst es, wieder aufzuatmen.

An der nächsten Station bist du vorbereitet und hältst den Hut fest, bevor er ins Schwanken geraten kann. Langsam wirst du ruhiger. Du wirst das schon hinkriegen. Der Hut sitzt und sieht gar nicht so schlecht aus, und bis morgen hat dieser blöde Teufel bestimmt wieder für Ordnung gesorgt, und der Spuk wird vorbei sein. Du musst nur noch diesen Tag durchhalten, und das ist doch ein Kinderspiel.

Die U-Bahn erreicht dein Ziel, und du lässt dich mit der aussteigenden Menge auf den Bahnsteig treiben. Warum sind heute eigentlich so viele Leute unterwegs? So schnell das in dem Gedränge eben geht, eilst du auf den Ausgang zu und rennst die Treppe hinauf. Wenn du Glück hast, hat dein Chef vielleicht noch nicht bemerkt, dass du noch nicht da bist…

Jetzt hast du den Gehweg erreicht und machst dich im Laufschritt auf zu deiner Firma. Mit einer Hand hältst du den Hut fest. Ihn hier zu verlieren, wo dich womöglich Bekannte und Kollegen sehen könnten, wäre ein echter worst case, doch du erreichst unbehelligt den Eingang. Mit klopfendem Herzen stößt du die Tür zum Foyer auf und hastest hinein. Der Aufzug ist schon da, und mit einem knappen Gruß an die Empfangsdame springst du hinein und drückst den Knopf für dein Stockwerk. Während er nach oben tuckert, versuchst du, deinen Atem und Herzschlag zu verlangsamen. Wenn du komplett gelassen aussiehst, kannst du deinem Chef vielleicht vorgaukeln, dass du schon seit einer halben Stunde da bist und er dir nur zufällig nicht begegnet ist…

Der Aufzug ruckt und bleibt stehen. Für einen schrecklichen Augenblick bist du dir sicher, dass er steckengeblieben ist; dann öffnen sich die Türen. Du bist da.

Vor dir steht dein Chef. Er reißt die Augen auf, dann runzelt er die Stirn und schaut auf die Uhr.

„Ach“, sagt er. „Beehren Sie uns auch noch mit Ihrer Gegenwart? Das ist aber großzügig.“

„Äh“, machst du, weil dir im Augenblick nichts besseres einfällt, doch er hakt nach: „Ich hoffe, Sie haben eine gute Ausrede.“

„Äh“, wiederholst du erst mal, um Zeit zu gewinnen, während du fieberhaft nachdenkst.

 

(19.10.2014, 637 Wörter. Gleiches Spiel wie jedes Mal: Stimmt einfach mit dem Abstimmungs-Tool ab, wie es weitergehen soll. Nach ein paar Wochen schließe ich die Abstimmung und schreibe die Fortsetzung entsprechend eurer Auswahl.

EDIT: Vielen Dank fürs Abstimmen! Hier ist Teil 5.)

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ein Kommentar

  1. Immer die Wahrheit sagen. Die glaubt keiner ;-)

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