Choose your own adventure: Probleme (Teil 5)

(Teil 4)

Du zermarterst dir das Hirn, aber dir fällt einfach nichts ein, also entschließt du dich zu einer klassischen Taktik des Vorgesetzten-Gesprächs.

„Sie sehen heute so schick aus! Sind Sie auf dem Weg zu einem Kunden?“ Dann zwingst du deine Lippen in ein bewunderndes Grinsen und hoffst, dass er sich ablenken lässt. Tatsächlich sieht er an sich herunter, streicht über den Aufschlag seines Jacketts und rückt die Krawatte gerade.

„Der Anzug ist in der Tat neu“, gibt er zu, sichtlich geschmeichelt. „Ich wusste gar nicht, dass Sie so ein Auge für gute Schnitte haben“, und er wirft einen abschätzigen Blick auf deine Jeans und den Indiana-Jones-Hut.

„Ach, wissen Sie“, lügst du schnell, „ich habe wirklich ein Faible für gut geschnittene Anzüge, aber ich finde immer, man muss auch die Person sein, um sie zu tragen. Verstehen Sie? Ein Mann von einer gewissen Statur, von Persönlichkeit…“

Er drückt den Rücken ein bisschen stärker durch. Du wagst es aufzuatmen. Es scheint zu funktionieren. „Dann will ich Sie jetzt auch nicht länger aufhalten“, murmelst du und drückst dich an ihm vorbei, „sicher ist Ihr Kunde sehr wichtig.“ Du fasst dir zum Abschied an den Hut und huschst um die Ecke, die Krempe weiterhin fest zwischen den Fingern. Dann rennst du auf die Toilette, schließt sie sorgfältig ab und lässt endlich den Hut wieder los. Er rutscht von deinem Kopf.

Du schaust in den Spiegel, und ein Blick bestätigt dir, was du im Gespräch mit deinem Chef gespürt hast: Die Hörner sind noch ein ganzes Stück gewachsen.

„Verdammt“, murmelst du, und du könntest schwören, dass sich die Spitzen bei diesem Wort noch ein Stück weitergeschoben haben. „Ähm… gesegnet?“, versuchst du das wieder auszugleichen, aber die Hörner bewegen sich nicht. Es sieht so aus, als wäre dein Problem erst einmal dauerhaft.

Du seufzt und setzt den Hut wieder auf. Es hilft nichts, du musst abwarten, bis der dämliche Teufel das wieder in Ordnung gebracht hat. Du hoffst, dass er dafür nicht mehr lange braucht.

Mit ein bisschen Geduld und Geschick gelingt es dir, die gewachsenen Hörner wieder unter dem Hut zu verstecken. Du machst dich auf den Weg in dein Büro. Hoffentlich ist heute ein ruhiger Tag, sodass du möglichst früh nach Hause kannst. Bis morgen, da bist du sicher, ist der Spuk bestimmt vorbei.

Du setzt dich an deinen Schreibtisch und fährst den Computer hoch. Während Windows sich dazu bequemt aufzuwachen, überlegst du, ob du dir einen Kaffee holen sollst, aber der Gedanke, am Kaffeeautomaten einen Kollegen zu treffen und womöglich auf deine Kopfbedeckung angesprochen zu werden, hält dich davon ab. Inzwischen kannst du dich auch anmelden. Wie jeden Morgen öffnest du als erstes deine E-Mails.

Wow. Hast du schon immer so viel Spam bekommen? Da ist bestimmt irgendwas kaputt. Du solltest die IT anrufen. Irgendwann. Jetzt löschst du erstmal drei viertel der ungelesenen E-Mails weg.

Es ist mehr als genug übrig, darunter drei Mails von deinem Chef, deren Betreff mit „Dringend!“ beginnt und fünf weitere von seiner Sekretärin zu demselben Thema. Oje, das scheint wirklich akut zu sein.

Du klickst erstmal auf „Das Baby ist da! Mit Fotos“ von deiner Büronachbarin, die gerade im Mutterschutz ist.

Während du durch niedliche Babyfotos scrollst – natürlich nur, um damit deine Produktivität zu erhöhen, du hast da mal einen Artikel gelesen – landet eine neue Mail in deinem Postfach: „Dringend! Brauche sofort deine Hilfe“, Absender: wieder dein Chef. Du willst sie schon genauso wie die anderen ignorieren, als dir zwei Dinge einfallen:

Dein Chef ist unterwegs, und du weißt genau, dass er mit seinem Smartphone nicht umgehen kann.

Und er würde dich nie duzen.

 

(16.11.2014, 601 Wörter. Gleiches Spiel wie jedes Mal: Stimmt einfach mit dem Abstimmungs-Tool ab, wie es weitergehen soll. Nach ein paar Wochen schließe ich die Abstimmung und schreibe die Fortsetzung entsprechend eurer Auswahl.

EDIT: Vielen Dank fürs Abstimmen! Hier ist Teil 6.)

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3 Kommentare

  1. Ab sofort werde ich Männer (mit Hüten!) noch misstrauischer ansehen ;-)

    1. Es muss ja nicht jeder ein Teufel sein. Was, wenn ein Engel daruntersteckt, der seinen Heiligenschein verbergen will? ;-)

      1. Seit wann sind Engel männlich? :P

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