Choose your own adventure: Probleme (Teil 6)

(Teil 5)

Das ist Spam, ganz eindeutig. Du klickst auf „Löschen“, ohne der Mail noch einen Blick zu widmen. Dann hältst du kurz inne. Du solltest in der IT-Abteilung anrufen; bestimmt hat dein Chef sich irgendeinen Blödsinn runtergeladen und seinen PC mit einem Spambot infiziert. Du greifst zum Hörer, aber noch bevor du wählen kannst, landet eine weitere Mail in deinem Postfach, selber Absender, selber Betreff.

Du löschst auch diese Mail und wählst die Helpdesk-Nummer. Während du dem Freizeichen lauschst, taucht eine dritte Mail auf, dann eine vierte.

Endlich meldet sich jemand. Du erklärst dein Problem, und der ITler fragt nach der Nummer deines Computers.

„Aber die Mails kommen von meinem Chef. Brauchen Sie dann nicht die Nummer von seinem PC?“, fragst du.

„Wissen Sie die denn?“, fragt er zurück.

„Äh“, ist alles, was dir einfällt. Dann gibst du erst mal deine Nummer durch. Bevor du anbieten kannst, im Büro deines Chefs nach dessen Nummer zu schauen, tippt der ITler schon fleißig. „Ich schalt mich mal bei Ihnen ein“, sagt er, und dir fällt ein, dass du noch die Babyfotos offen hast. Naja, dafür hat er sicher Verständnis, und wenn nicht, weiß er ja nicht, wie lange du die schon anschaust.

Eine neue Mail landet im Posteingang.

„Da!“, rufst du, „haben Sie das gesehen? Da kam schon wieder eine!“ Du siehst, wie der Remote-Zugriff auf dein Postfach klickt.

„Nanu?“, sagt die Stimme am Telefon. Jetzt schaust du dir die Mail genauer an. Sie hat denselben Betreff, kommt aber nicht von deinem Chef… „Wie ist das denn passiert? Ich habe Ihnen doch gar nichts geschickt“, kommentiert der ITler, dessen Adresse im Absender steht.

Er klickt noch ein bisschen herum, während weiter eine Mail nach der anderen eintrifft, alle mit demselben Betreff, aber mit unterschiedlichen Absendern. Deine ganze Abteilung scheint dich „Dringend!“ zu brauchen, und diverse Leute aus anderen Abteilungen ebenfalls, und… ist das nicht die Adresse deiner Mutter? Was geht hier vor?

„Okay, ich glaube, ich habe die Quelle gefunden“, sagt der ITler schließlich.

„Ja?“, fragst du erleichtert.

„Es ist Ihr eigener PC“, antwortet er. „Ich logge mich jetzt aus. Bitte ziehen Sie gleich den Netzstecker, bevor sich das Virus übers Netzwerk ausbreitet. Ich komme gleich hoch und schaue mir das an. Haben Sie den Stecker gezogen?“

„Äh, nein, Moment.“ Du legst den Hörer ab und kriechst unter den Tisch. So, Netzstecker draußen. „Und jetzt?“, fragst du, als du wieder an dein Telefon kommst.

„Jetzt speichern Sie mal alles Wichtige, und dann muss ich wohl eine Grundreinigung machen. Haben Sie heute irgendwas zu tun, wofür Sie den PC nicht brauchen?“

„Äh“, machst du und denkst nach, aber dir fällt nichts ein. „Ich fürchte, nein…“

„Dann fragen Sie mal rum, ob Sie den PC eines Kollegen benutzen können. Wenn nicht, können Sie sich genausogut den Rest des Tages freinehmen – an Ihrem Arbeitsplatz läuft erstmal nichts mehr.“

„Äh“, machst du. Freinehmen klingt gerade traumhaft… Zu dumm, dass dein Chef nicht da ist, um dir das zu genehmigen. Andererseits… du kannst ihn ja anrufen, oder ihm eine Nachricht hinterlassen. „Mein Chef ist grad außer Haus unterwegs. Würden Sie ihm die Sache erklären, wenn er wiederkommt? Die PCs in der Abteilung sind heute alle besetzt.“

„Klar“, sagt der ITler. „Na, dann noch einen schönen Tag…“ Du hörst ihm an, dass er das alles andere als ernst meint, aber gerade heute bist du echt dankbar für den unverhofften freien Tag. Du müsstest nur noch unauffällig nach Hause zurückkommen, und dann könntest du den Rest des Tages im Bett verbringen, und morgen wird dieser unfähige Unterteufel das schon wieder irgendwie in den Griff bekommen haben.

„Eins noch“, hält er dich auf, „haben Sie in letzter Zeit irgendwas runtergeladen?“

„Sie meinen, außer geschäftlichen Mails? Also, da waren natürlich auch mal Anhänge dabei, aber keine EXE-Dateien, das wäre mir aufgefallen. Alles ganz normal.“

„Und haben Sie etwas installiert?“

„Dazu habe ich nicht mal die Berechtigung.“

„Stimmt. Und haben Sie externe Datenträger hier benutzt? USB-Sticks, CDs, irgendwas?“

Du denkst nach. „Nicht, dass ich mich erinnern kann.“

„Okay. Dann komme ich jetzt hoch.“ Er seufzt und lässt sich noch einmal deine Büronummer bestätigen. Dann verabschiedet er sich.

Du packst deine Sachen, drückst den Hut noch einmal fest und machst dich auf den Weg. Im Treppenhaus kommt dir der ITler entgegen, und du bedankst dich überschwänglich für seine Hilfe. „Sie sind ein Engel“, sagst du, doch er winkt nur ab. „Ist mein Job“, erklärt er seufzend. „Und wie‘s aussieht, können Sie nicht mal was dafür.“

Kannst du auch nicht, willst du schon auffahren, so blöd bist du nun auch wieder nicht, aber der arme Kerl hat bei seiner Arbeit sicher genug mit DAUs zu tun, dass du ihm das Leben nicht unnötig schwer machen willst. Also nickst du nur und verlässt das Gebäude.

Vor der Tür wartet jemand. Sobald du auf die Straße trittst, stellt er sich dir in den Weg.

„Da bist du ja endlich!“, ruft der Teufel von heute morgen.

 

(20.12.2014, 840 Wörter. Für Nicht-ITler: DAU = Dümmster Anzunehmender User ;-)

Gleiches Spiel wie jedes Mal: Stimmt einfach mit dem Abstimmungs-Tool ab, wie es weitergehen soll. Nach ein paar Wochen schließe ich die Abstimmung und schreibe die Fortsetzung entsprechend eurer Auswahl.

EDIT: Danke fürs Mitmachen! Hier ist der nächste Teil.)

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3 Kommentare

  1. Na ich lade den Teufel natürlich zu Sushi, oder Tee ein. Was hast du denn nun gedacht? ;-)

  2. Aber was, wenn er dich dann auf einen Kaffee/Cocktail/zum Essen einlädt?

    1. Das sehen wir Ende Januar… ;-)

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