Choose your own adventure: Probleme (Teil 7)

(Teil 6)

Du verdrehst die Augen. Der Teufel hat dir gerade noch gefehlt! „Was willst du denn schon wieder?“

Zu deiner Überraschung lässt er den Kopf hängen. „Ich krieg’s nicht hin“, gesteht er. „Ich brauche deine Hilfe.“

„So ein Blödsinn“, schnauzt du ihn an. Du willst nach diesem Tag wirklich nur noch nach Hause, und der einzige, mit dem du noch reden willst, sind deine guten Freunde Jack, Jim und Johnny. „Du hast dir das selber eingebrockt, also bade es selber aus. Außerdem weiß ich überhaupt nicht, warum ausgerechnet ich dir helfen sollte! Frag doch jemand anders. Es gibt bestimmt noch mehr Betroffene.“

„Ja, schon, aber-“

„Siehst du? Frag die doch.“

„Aber du kannst mir am besten helfen! Weil deine Akte mit der eines Seelenfinders vertauscht wurde.“

„Eines was?“

„Seelenfinder“, erklärt der Teufel. „Das ist ein Unterteufel, der Seelen findet, die in einem Teufelspakt verkauft wurden. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viele Leute sich nach sowas verstecken, um nicht zu bezahlen!“

Du kannst dir das sehr gut vorstellen, sagst aber lieber nichts. Der Teufel redet auch schon weiter: „Jedenfalls müsstest du ein paar seiner Fähigkeiten abgekriegt haben. Das sind zum einen diese verdammt gut aussehenden Hörner, die in ihrer Pracht langsam an meine herankommen dürften“, er streichelt sich affektiert über die langen, gewundenen Bockshörner an seinem Kopf, „und zum anderen ein Gespür für verirrte Seelen. Das könnte mir die Suche enorm erleichtern…“

Du legst den Kopf schief und versuchst das soeben Gehörte zu verdauen. Es klingt nach einer ganzen Menge Bullshit, findest du, und das sagst du ihm auch.

„Die Wege des Herrn sind unergründlich“, gibt er zurück, „und überhaupt. Spontan wachsende Teufelshörner klingen auch nach einer ganzen Menge Bullshit, und hast du heute schon in den Spiegel geschaut?“

„Natürlich habe ich das“, antwortest du, „das eine Mal hast du mich dabei ziemlich rüde unterbrochen!“

Er verdreht die Augen. „Das war eine rhetorische Frage. Wie dem auch sei, ich brauche dringend Hilfe, du könntest genau die Fähigkeit haben, die mir fehlt, und ich verspreche dir, dass etwas für dich dabei herausspringt, ganz ohne Haken, ohne Hinterhältigkeit und ohne doppelten Boden.“

„Aus dem Mund eines Teufels klingt das wenig glaubwürdig“, wendest du ein, und er zuckt mit den Schultern. „Dem kann ich nicht wirklich widersprechen“, gibt er zu. „Aber selbst wenn du mir nicht glaubst, so lange ich das nicht in Ordnung bringe, wirst du deine Probleme auch nicht los. Und es könnte noch schlimmer kommen…“

Er klingt sehr unheilschwanger bei seinen letzten Worten. Du überlegst, ob das schon wieder ein Versuch ist, dich zu manipulieren, und willst ihm gerade genau das vorwerfen, als ein lautes Krachen von der Straße dich zusammenzucken lässt. Du drehst dich um. Ein SUV, du weißt nicht, welche Marke, aber so ein richtig fettes, gepanzertes Ding, mit dem normalerweise die Bundeswehr in fernen, heißen Ländern nach Terroristen jagt oder reiche Leute im Schwarzwald nach Fasanen, ist gegen ein Taxi geprallt und hat es regelrecht in einen Laternenpfahl gerammt. Jetzt setzt das SUV zurück – es hat kaum einen Kratzer abbekommen – und nimmt den nächsten Wagen ins Visier. Der Fahrer hängt lachend aus dem Fenster, und du könntest schwören, dass er spitze, scharfe Raubtierzähne hat.

„Das ist einer!“, ruft der Teufel, und du drehst dich unwillkürlich wieder zu ihm. „Das ist einer von unseren, der irrtümlich auf die Erde gelangt ist! Den hol ich mir“, und er sprintet hinter dem SUV-Fahrer her, der bei seinem Anblick von den entgegenkommenden Pkws ablässt und Gas gibt.

Du schüttelst den Kopf. Das ist doch unglaublich. Du weißt gar nicht, was du denken sollst, also läufst du erst einmal zu dem verunfallten Taxi. Vielleicht kannst du noch helfen, oder wenigstens den Notarzt rufen – du kramst schon einmal dein Handy heraus.

Jetzt öffnet sich die Fahrertür, und der Taxifahrer taumelt heraus. Blut läuft aus einer Platzwunde an seiner Stirn, aber wenigstens kann er sich noch auf den Beinen halten.

„Bleiben Sie ruhig“, rufst du ihm zu, „ich hole Hilfe!“. Er schaut in deine Richtung, taumelt aber weiter, gegen das Wrack gestützt, um sein Auto herum. Jetzt hast du ihn erreicht und bietest ihm einen Arm zur Stütze an. „Kommen Sie, Sie sollten sich erstmal hinsetzen, ich rufe den Notarzt“, redest du ihm zu und willst ihn an die Seite des Gehwegs führen, doch er versucht dich abzuschütteln und hält hartnäckig auf die Beifahrertür zu. „Ist da noch jemand drin?“, rätst du, und endlich reagiert er auf dich.

„Passagier“, sagt er stockend, „schwer verletzt!“

„Alles klar“, du versuchst deine aufkommende Panik durch Professionalität zu kaschieren. „Ich kümmer mich drum. Setzen Sie sich erstmal. Wie viele Passagiere sind noch drin?“

„Einer“, sagt er und lässt sich endlich zur Hauswand führen, wo er in sich zusammensackt. Verdammt, dein Erste-Hilfe-Kurs war vor Jahren! Was sollte man in so einer Situation tun? Erstmal einen Notruf absetzen, genau. Du wählst 112 und fasst so schnell wie möglich alles zusammen, während du zur Beifahrerseite des Taxis läufst.

Diese Seite hat das meiste abgekriegt, und die Tür ist so zerbeult, dass du sie nicht öffnen kannst. Du wirfst einen Blick hinein. Der Passagier hängt anscheinend bewusstlos in seinem Sitz, aufrecht gehalten nur von Gurt und Airbag. Du kannst keine Verletzungen sehen, aber irgendwas muss er ja abgekriegt haben, denn wirklich fit sieht er auch nicht aus.

Du rüttelst noch einmal an der Tür, die sich jedoch nicht bewegt. Dann spähst du erneut hinein. Atmet er überhaupt noch?

Jetzt erst merkst du, dass dir sein Gesicht bekannt vorkommt. Ist das… dein Chef?

In diesem Augenblick steht der Teufel wieder neben dir und grinst zufrieden. „Ich hab ihn geschnappt. Aber siehst du jetzt, was deiner Menschenwelt passiert, wenn wir sie alle laufen lassen? Was ist nun, hilfst du mir?“

 

(18.01.2014, 963 Wörter. Gleiches Spiel wie jedes Mal: Stimmt einfach mit dem Abstimmungs-Tool ab, wie es weitergehen soll. Nach ein paar Wochen schließe ich die Abstimmung und schreibe die Fortsetzung entsprechend eurer Auswahl.

EDIT: Danke fürs Mitmachen! Hier ist der nächste Teil.)

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ein Kommentar

  1. Teufel,Yokai, Obake soll man nie warten lassen. Wenn sie dir Böses wollen, so machen sie das sowieso. Dem Chef wird nichts passieren. Außer einem dicken Kopf :D

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