Ode an das Käsebrot

Käsebrot! Wundervolles Käsebrot, größter Triumph der Zivilisation, Wegmarke des Fortschritts. So viel in so einer kleinen Portion: Brot, dieses Grundnahrungsmittel, das in unserer Gesellschaft so zentral und fundamental ist, dass es Teil vieler Redensarten und Sprichwörter wurde: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Trocken Brot macht Wangen rot. Sein Brot verdienen. Miteinander das Brot brechen. Brot für die Welt. Brot statt Böller. Und, ja, auch das: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

Deshalb der Käse, köstlicher Käse in einer seiner vielen hundert Variationen, jene zivilisatorische Meisterleistung, von der Charles de Gaulle einmal gefragt haben soll, wie man denn bitte ein Volk regieren solle, das mehr als 400 Käsesorten kennt. Nun, Käsebrot zu servieren wäre ein Anfang, und hätte Marie Antoinette nicht Kuchen empfohlen, sondern Käse verteilt, sie hätte wohl nicht ganz so schnell den Kopf verloren.

Allein die Herstellung von Käse verlangt ja schon eine gewisse zivilisatorische Leistung. Kühe oder andere milchgebende Tiere müssen nicht nur existieren, sondern auch domestiziert sein und ihre Milch freiwillig an diese fremdartigen Zweibeiner herausgeben, anstatt ihre Jungen damit zu ernähren. Diese Milch wiederum muss aufwändig bearbeitet werden, mit Lab versetzt, mit Salz gewürzt, je nach Käsesorte mit Kräutern oder Schimmelkeimen gespickt, dann gelagert und beaufsichtigt werden, während sie heranreift zu köstlichem, weiß bis goldenem Käse. Je nach Geschmack soll der Käse weich oder hart werden, mild oder würzig, cremig oder bröckelig, löchrig oder glatt – 400 ist sicher nicht zu gering angesetzt als Zahl der Käsesorten, und jede einzelne von ihnen findet ihre Fans und Genießer. Der Käse ist so vielfältig wie das menschliche Wesen.

Das Brot wiederum kann ganz schlicht sein: Ein paar Körner (oder Knollen, gibt es doch auch Kartoffelbrot) gesammelt und zerstoßen, mit Wasser gemischt, mit Salz gewürzt und dann gebacken ergeben das simpelste Brot. Man kann es auch säuern und würzen, die Mehlsorten mischen, Körner hineingeben oder Rosinen und Hefe; auch hier sind der Vielfalt keine Grenzen gesetzt, und gerade Deutschland hat sich um die Varianz des Brotes verdient gemacht.

Doch auch das einfachste Brot passt zu dem komplexesten Käse, und gemeinsam ergeben sie ein Käsebrot, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Die Verbindung von Brot und Käse ist wie die Vermählung eines Traumpaares, zwei, die sich gegenseitig stützen und erheben und weiter kommen, als es der Einzelne je hätte schaffen können. Das Käsebrot, so schlicht es daherkommt und so sehr es alltäglich wirkt, als Pausenbrot oder Picknickstulle, als Imbiss zwischendurch, ist doch ein ganz besonderer Genuss. Das Grundnahrungsmittel Brot und die kunstvolle Köstlichkeit Käse erklimmen gemeinsam kulinarische Höhen, und dass in Sterne-Restaurants kein Käsebrot serviert wird, liegt nur daran, dass ein Meisterkoch weiß, welchen Vergleich seine Kreationen bestehen können – und welchen nicht.

Ich möchte mit einer persönlichen Anekdote schließen. Als ich nach meinem Schulabschluss in eine andere Stadt zog und dort meinen Haushalt erst noch aufbauen musste, bestand meine Kücheneinrichtung zu Beginn aus nichts als einem Becher, einem Teller, einem Messer und einem Löffel. Eine Woche lang gab es jeden Morgen Müsli und jeden Abend Käsebrot. Morgens habe ich gegessen, weil ich Energie brauchte. Abends aß ich mit Genuss.

Und dann habe ich mir irgendwann Töpfe und Pfannen gekauft und angefangen, meinen Speiseplan zu erweitern, aber das ist eine andere Geschichte. Käsebrot liebe ich bis heute.

 

(22.03.2015, 543 Wörter. This one’s for you, rocknroulette!

Ich weiß, eigentlich wäre heute Teil 9 von Probleme an der Reihe gewesen, aber mein Internetzugang war so eingeschränkt diese Woche, dass ich weder dazu gekommen bin, die Abstimmung für Teil 8 zu schließen, noch, mir das Ergebnis anzuschauen. Ihr habt also noch eine halbe Woche länger Gelegenheit, euren Senf dazuzugeben…)

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6 Kommentare

  1. Da kann ich nur fordern: Käsebrot für alle!

  2. Literaturgeist · · Antwort

    Die Qualität auf diesem Blog überrascht mich immer wieder, genauso wie die originellen Ideen! Du scheinst ja täglich im Orm zu baden.:D Mein Respekt und mein Neid! Lange lebe das Käsebrot!

    1. Vielen Dank! Da werd ich ja ganz rot. Wobei ich zugeben muss, die Muse für diesen Text war simpler Hunger ;-)

  3. Super. ;) Ich finde es toll, wie du deine besondere Beziehung zu Käsebroten endlich mit einer Hommage gewürdigt hast. Nach all den Jahren – es war an der Zeit.

  4. Applaus! Endlich steigt das Käsebrot auf seinen gebürtigen Platz in der Feinschmecker-Liga auf anstatt weiter unverdient sein Nischendasein zu fristen ;-D

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