Tag des Haustiers (Teil 2)

(Teil 1)

Lisa-Marie beeilte sich, nach Hause zu kommen. Wenn sie heute besonders brav war, durfte sie bestimmt am Samstag Genoveva besuchen und ihr geheimnisvolles Haustier kennenlernen. Hoffentlich war es ein Pferd. Pferde waren die besten Tiere, da war Lisa-Marie sicher, schließlich las sie Pferdecomics und Pferdebücher und wusste überhaupt alles über Pferde, außer wie man sie ritt, weil ihre Eltern fanden, dass man in der Stadt kein Pferd halten konnte und Reitstunden überhaupt zu teuer waren.

Beim Heimkommen war die Frage nach dem Samstag das erste, was aus Lisa-Maries Mund kam, noch bevor sie ihren Vater begrüßt hatte, der heute das Kochen übernahm. „Bittebittebitte“, setzte sie noch hastig hinzu und strahlte ihn dann an.

„Hallo, Lisa-Marie, ich freue mich auch, dich zu sehen“, antwortete er trocken. „Komm doch erst mal richtig rein, zieh die Schuhe aus, bevor du überall nasses Laub hinträgst, und setz dich. Es gibt Spaghetti, die magst du doch.“

Lisa-Marie streifte schnell die Schuhe ab und folgte ihm. „Ja, schon. Darf ich jetzt am Samstag zu Genoveva? Bitte?“

Er wiegte den Kopf. „Ich weiß nicht. Wir kennen diese Genoveva ja gar nicht. Wie ist sie denn so?“ Er wartete, bis sie saß, und füllte dann ihren Teller mit Nudeln und Soße. Lisa-Marie merkte, wie hungrig sie war, als sie das Essen roch. Trotzdem wartete sie, bis ihr Vater auch sich selbst aufgetan und ihr einen guten Appetit gewünscht hatte. Schließlich wollte sie ganz besonders brav sein.

„Guten Appetit“, antwortete sie und begann zu essen. Mit vollem Mund erzählte sie: „Genoveva ist erst dieses Jahr in unsere Klasse gekommen. Sie wohnt weiter draußen, vor der Stadt, und ihre Eltern haben einen Pferdehof“, behauptete sie. Mussten sie ja, wenn Genoveva ein eigenes Pferd hatte, oder? Das hatten doch nur Pferdebauern und reiche Leute, und reich wirkte Genoveva eigentlich nicht. „Aber unsere Schule ist viel besser als die dort, deshalb ist sie jetzt bei uns.“ Zumindest glaubte sie das. Sie war nicht mehr ganz sicher, warum Genoveva nicht dort draußen zur Schule ging, am Stadtrand musste es doch auch Schulen geben. Hatte Frau Müller das überhaupt erzählt?

Naja, so wichtig war das auch nicht. Sie konnte Genoveva immer noch fragen, wenn sie sie besuchen durfte… „Also, darf ich?“

„Was sagen denn ihre Eltern?“, wollte ihr Vater wissen. Lisa-Marie zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht. Sie fragt sie und ruft dann an. Aber wenn sie ja sagen, darf ich dann? Bittebitte? Wenn ich schon kein eigenes Pflegepferd haben darf…“

Ihr Vater seufzte. „Darüber haben wir doch schon so oft gesprochen, Lisa-Marie. Reitstunden kosten einfach zu viel, und wir haben kein Auto, mit dem wir dich zu einem Reiterhof fahren könnten.“

„Ich weiß“, beeilte sie sich zu sagen. „Aber ich kann am Samstag mit der S-Bahn rausfahren, und Genovevas Eltern holen mich bestimmt vom Bahnhof ab.“ Vielleicht würde sogar Genoveva selbst auf Faffi sie abholen. Oder mit einer Kutsche. Das wäre traumhaft! Lisa-Maries Augen leuchteten bei dem Gedanken. „Ich räum auch heute noch mein Zimmer auf, wenn ich sie Samstag besuchen darf.“

Ob es nun dieses Angebot war oder sein schlechtes Gewissen, dass er seiner Tochter kein Pflegepferd besorgen konnte, oder vielleicht auch einfach, dass er sah, wie viel es ihr bedeutete: Ihr Vater nickte. „In Ordnung. Ist ja auch schön, dass du dich ein bisschen um eure neue Mitschülerin kümmerst. Aber benimm dich anständig und hör auf ihre Eltern, ja?“

Lisa-Marie nickte heftig. Natürlich. Sie würde das bravste aller Mädchen sein, wenn sie auf Faffi reiten durfte. Jetzt musste nur noch Genoveva anrufen und ihr sagen, dass ihre Eltern auch einverstanden waren… Ach ja, und ihr Zimmer musste sie aufräumen. Versprochen war versprochen.

 

(14.06.2015, 605 Wörter. Hmmm, Lisa-Marie ist sicher, was Faffi ist, aber ob sie da Recht hat? Und ob ihr wohl Genovevas Eltern noch einen Strich durch die Rechnung machen? Jetzt muss ich ja eigentlich weiterschreiben, damit wir das herausfinden…

EDIT: Weiter geht’s!)

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10 Kommentare

  1. Das verspricht ja spannend zu werden…

  2. Hmmm, ich sehe interessante Szenen auf uns zukommen, wenn Faffi doch kein Pferd sein sollte…

    1. Wie du nur darauf kommst…? ;-)

  3. Ich fände es ja fast interessant zu sehen, wie die Autorin es bewerkstelligen würde, wenn Faffi doch ein Pferd sein sollte, die Geschichte TROTZDEM absurd werden zu lassen. ^__^

    1. Soll das eine Herausforderung sein? :-P

  4. ….warum auch immer ich Absurdität erwarte, wie kommt das bloß.

    1. Das weiß ich auch nicht…

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