Choose your own adventure: Probleme (Teil 11)

(Teil 10)

Dein Chef wird schon in Ordnung sein, dem Taxifahrer scheint es schlimmer zu gehen. Und wenigstens kommst du an ihn heran und kannst etwas für ihn tun. Du versuchst, dich an deinen Erste-Hilfe-Kurs zu erinnern. Wie lang war das her?

Zu lang, aber egal. Du bist dir zumindest sicher, dass man keinen Ärger kriegt, wenn man sein Bestes versucht, also wendest du dich wieder dem Taxifahrer zu. Das Blut läuft noch immer aus der Wunde an seinem Kopf. Du bist ziemlich sicher, dass das ein schlechtes Zeichen ist. Außerdem hält er sich die Seite, als hätte er dort Schmerzen. Den hat es wohl ganz schön erwischt.

„Wo tut es Ihnen weh?“, fragst du, doch mehr, als seine Augen in deine Richtung zu drehen, schafft er nicht. Immerhin ist er bei Bewusstsein, das ist gut. Jetzt musst du nur herausfinden, wo er verletzt ist und worum du dich als erstes kümmern solltest.

Vorsichtig hebst du den Arm, mit dem er sich selbst umklammert. Darunter ist nichts zu sehen. Vielleicht nur eine Prellung. Oder ein Rippenbruch, aber da kannst du nichts machen. Das einzige, woran du dich noch von deinem Erste-Hilfe-Kurs erinnerst, ist die stabile Seitenlage und dass man Brüche nicht bewegen sollte. Also erst mal die Kopfwunde, die sieht auch echt übel aus. Wie stoppt man Blutungen? Genau, Druckverband. Du schaust dich um. Womit könntest du ihn verbinden? Sterile Bandagen sind nicht gerade etwas, das du immer in der Hosentasche hast… aber müsste er nicht einen Erste-Hilfe-Kasten im Auto haben?

Du läufst zum Taxi, dessen Fahrertür noch immer offen steht, und schaust dich suchend um, doch das Handschuhfach ist vom Airbag blockiert, und der wiederum ist das einzige, das deinen Chef noch aufrecht zu halten scheint. Vielleicht ist der Kasten aber auch im Kofferraum? Du gehst um da Auto herum, aber ein einziger Blick zeigt dir, dass das vergebliche Liebesmüh ist. Selbst wenn der Verbandskasten im Kofferraum sein sollte, ist er unbrauchbar, denn er wird, wie das ganze hintere Drittel des Autos, fein säuberlich zu einer Ziehharmonika aufgefaltet sein.

Aber irgendetwas musst du doch tun! Klar, zurück ins Büro – auf jedem Stockwerk hängt ein Erste-Hilfe-Kasten, ihr hattet erst vor ein paar Wochen eine Einweisung im Rahmen der Brandschutzaufklärung. Und für so einen Notfall darf man die Sachen bestimmt auch außerhalb des Hauses benutzen.

In der Ferne hörst du ein Martinshorn näherkommen. Ist das der Krankenwagen, den du gerufen hast? Wie lange ist das her? Du bist dir nicht sicher, und hier kommen so oft Martinshörner vorbei. Besser nicht warten, beschließt du.

Du läufst, so schnell du kannst, über die Straße. Ein Windstoß weht dir dabei den Indiana-Jones-Hut vom Kopf, aber es geht gerade um ein Menschenleben, also ignorierst du das einfach und rennst weiter.

In diesem Augenblick biegt der Krankenwagen um die Ecke. Der Wind presst deinen Hut gegen die Windschutzscheibe, und so sieht dich der Fahrer den Bruchteil einer Sekunde zu spät.

Es tut nicht einmal weh, so schnell geht es.

Nachdem dein Leben an dir vorbeigezogen ist, und kurz bevor du die leuchtende Gestalt am Ende des Tunnels erreicht hast, siehst du noch die Zeitung von morgen. „Tragischer Unfall mit Krankenwagen: Samariter stirbt bei dem Versuch, zwei Leben zu retten“, titelt die BILD. Du musst zugeben, dass sie ein wirklich gutes Foto von dir benutzt haben.

Dann nimmt jemand deine Hand und zieht dich ins Licht.

 

(27.06.2015, 559 Wörter. Und es ist zu Ende! Ob damit alle Probleme gelöst sind? Nun, immerhin hat der Teufel Wort gehalten…

Tut mir leid, dass ich das Update letzte Woche einfach nicht geschafft habe. Es war einfach eine Menge los… Ich hoffe, das kommt so schnell nicht wieder vor!)

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2 Kommentare

  1. Ende? Wirklich?

    1. Naja, viel finaler als der Tod geht es wohl kaum, oder? ;-)

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