Tag des Haustiers (Teil 3)

(Teil 1; Teil 2)

Lisa-Marie hatte schon alle Stofftiere vom Boden aufgehoben und die Bücher ins Regal gestellt und war gerade dabei, ihre Buntstifte einzusammeln, als das Telefon klingelte.

„Das ist bestimmt Genoveva!“, schrie sie, ließ die Stifte wieder fallen und rannte zum Telefon. Trotz ihrer Eile war ihr Vater schneller. „Ja, das hat sie mir erzählt“, sagte er gerade, als sie um die Flurecke stürmte. „Genoveva?“, fragte sie lautlos, aber mit überdeutlichen Lippenbewegungen. Ihr Vater lächelte und nickte, dann legte er einen Finger an die Lippen.

„Mhm“, machte er, und dann: „Gut. Wenn Ihnen das keine Umstände macht…“ Warum siezte er Genoveva? Lisa-Marie wunderte sich, bis ihr einfiel,dass es wahrscheinlich ihre Mutter war, die angerufen hatte. Erwachsene machten die Dinge gern unter sich ab. Lisa-Marie verdrehte die Augen und wippte ungeduldig auf den Zehen.

„Das freut mich“, sagte ihr Vater jetzt in aller Seelenruhe. „Lisa-Marie wird sich Mühe geben, Ihnen nicht zur Last zu fallen.“ Er warf ihr einen vielsagenden Blick zu, und sie nickte so heftig, dass sie Angst bekam, ihr Kopf könnte abfallen.

„Mit der S-Bahn“, erklärte ihr Vater dem Telefon. „Wohin – ah, gut. Und könnten Sie sie vom Bahnhof…? Wunderbar, vielen Dank. Gut. Ich sehe zu, dass sie pünktlich ist. Vielen Dank, Frau von Stein. Auf Wiederhören.“ Er legte auf. Lisa-Marie sprang auf und ab vor Aufregung. „Und? Und?“, fragte sie, „hat sie ja gesagt?“

Ihr Vater lächelte. „Ja, hat sie. Aber du musst früh aufstehen, sie will dich um halb neun am S-Bahnhof abholen. Sie haben wohl einen Bauernhof, da fängt alles ein bisschen früher an.“

„Kein Problem!“, versprach Lisa-Marie. „Ich steh extra früh auf. Und beschwer mich nicht mal. Und ich bin den ganzen Tag superbrav, damit sie mich nochmal einladen! Und, und jetzt räum ich mein Zimmer fertig auf“, setzte sie schnell hinzu, nicht, dass ihr Vater es sich noch einmal anders überlegte. Schließlich schlief er samstags auch immer aus.

Während sie aufräumte, malte sie sich Genovevas Leben auf dem Bauernhof aus. Bestimmt musste sie ganz viel arbeiten, die Arme. Aber dafür gab es auch alle möglichen Tiere, Kühe und Schweine und Hühner und einen Hofhund und ein paar Stallkatzen, und mindestens ein Pferd. Warum wollte sie eigentlich keine Stallkatze mitbringen? Oder, wenn die nicht zahm genug waren, den Hofhund?

Oder war Faffi vielleicht der Hofhund, und sie durfte ihn nicht mitbringen, weil er doch das Haus bewachen musste? Das wäre natürlich nicht so toll wie ein Pferd, aber immer noch besser als gar kein Haustier. Lisa-Marie seufzte neidisch.

Auf jeden Fall würde der Samstag aufregend werden, da war sie sicher. Und selbst wenn Genoveva kein Pferd hatte, würde sie wenigstens einen richtigen Bauernhof besuchen und mit ganz vielen Tieren spielen können. Und wenn sie sich gut mit Genoveva verstand und nett zu ihrer Mutter war, durfte sie in Zukunft vielleicht öfter dorthin.

Und eine Freundin mit Bauernhof, das war fast so gut wie ein eigenes Haustier.

In Windeseile räumte sie den Rest ihres Zimmers auf. Dann machte sie die restlichen Hausaufgaben, sagte ihren Eltern gute Nacht und machte sich bettfertig. Morgen war Freitag, das hieß, nur noch ein ganzer Tag, und dann wäre Samstag. Sie musste unbedingt Genoveva über ihren Bauernhof ausfragen. Das nahm sie sich fest vor.

 

(19.07.2015, 538 Wörter. Es geht weiter! Auch wenn in diesem Teil nicht viel passiert. Mal sehen, wann ich bis zum Samstag komme…

EDIT: Wir sind immerhin bei Freitag!)

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2 Kommentare

  1. Ich will endlich wissen, wer Faffi ist :-)

    1. Dann muss ich wohl bald weiterschreiben…

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