Tag des Haustiers (Teil 7)

(Teil 1; Teil 6)

Genoveva und Lisa-Marie verstauten die Pferdedecken auf dem Wagen und setzen sich wieder, und dann ging es auch schon los. Die beiden Pegasi schwangen sich in die Luft, und die Räder des Wagens holperten noch ein paar Meter auf dem Boden und folgten ihnen dann.

Lisa-Marie war überrascht, dass der Flug fast genauso holprig war wie die Fahrt – jetzt erst merkte man, dass die beiden Tiere eben nicht mehr jung und kräftig waren, sondern sich mit dem Wagen abmühen mussten. Trotzdem war es ein einmaliges Erlebnis. Sie lehnte sich über den Rand und schaute hinunter auf den Wald und die Häuser, die sie hinter sich gelassen hatten.

„Das ist toll“, rief sie Genoveva zu, die zur Antwort nur still lächelte. „Fährst du so jeden Morgen zur Schule?“

Genoveva schüttelte den Kopf. „Nein, normalerweise nehme ich das Fahrrad zum Bahnhof. Nur wenn das Wetter ganz schlimm ist oder Mama sowieso was im Ort erledigen muss, nimmt sie mich mit.“

Das war immer noch ziemlich toll, fand Lisa-Marie – ihr würde es schon reichen, wenigstens an ihrem Geburtstag mit einem Pegasus-Wagen zur Schule gefahren zu werden. Oder wenigstens bis zum nächsten Bahnhof.

Sie beugte sich wieder aus dem Wagen. Der Flug war nicht schnell, in der Luft waren die Pegasi genauso langsam wie auf dem Boden, doch sie sah schon etwas, das ihr Ziel sein könnte: Der Wald öffnete sich zu einer großen Wiese hin, an deren vorderem Ende ein herrschaftliches Haus vor einer Gruppe flacher Gebäude thronte. War das der Gutshof? Die niedrigeren Gebäude könnten Ställe sein, und dahinter war ein Teil der Wiese eingezäunt, auf dem einige Tiere einzeln und in kleinen Gruppen grasten.

„Ist es das?“, fragte sie aufgeregt und zeigte auf den Hof. Genoveva nickte. Dann begann der Wagen auch schon nach unten zu sinken, auf den gekiestern Platz vor dem Hof zu. Sie landeten mit lautem Geklapper, und sofort stürmte ein Hund laut kläffend auf sie zu. Als Lisa-Marie bemerkte, dass er drei Köpfe hatte, zuckte sie zurück.

Genoveva dagegen sprang vom Wagen und lief auf den Hund zu. „Hallo, Berrie! Komm her, Süßer.“ Sie kraulte ihm die Seiten, und er hechelte glücklich mit allen drei Mündern.

Lisa-Marie staunte. Waren alle Tiere hier irgendwelche Fabeltiere? Was konnte Faffi dann sein? Doch bevor sie länger nachdenken konnte, packte Genoveva sie schon an der Hand.

„Komm, ich führ dich rum. Und dann gehen wir zu Faffi, okay?“

Lisa-Marie nickte. „Okay. Ich bin schon gespannt…“

„Das ist das Gutshaus“, erklärte Genoveva und zeigte auf das große, zweistöckige Herrenhaus. „Da wohnen wir, und im Erdgeschoss haben wir außerdem einen Behandlungsraum. Mama ist nämlich auch Tierärztin.“

„Echt? Das ist ja toll“, staunte Lisa-Marie. „Tierärztin würde ich auch gern werden… Und Tiere wie Peggy und Susi kann sie auch behandeln?“

Genoveva nickte. „Mama kann alles“, behauptete sie, „jedenfalls alles, was mit Tieren zu tun hat. Und sie hat mir auch schon einiges beigebracht.“ Sie zog sie weiter, am Haus vorbei. „Nachher können wir auch in mein Zimmer gehen, aber du willst bestimmt erst die Tiere sehen, oder? Links die Ställe, da dürfen wir leider nicht rein – da sind die gefährlichen Tiere und die schweren Fälle, die in Quarantäne bleiben müssen. Aber hier rechts sind alle gesund. Nur halt alt – wie ich schon erzählt habe, wir sind so eine Art Gnadenhof. Wir haben fast nur alte und kranke Tiere.“

Lisa-Marie nickte. Das hatte sie verstanden. Sogar Berrie, so furchterregend er war, hatte gehumpelt. Trotzdem, den ganzen Tag von Tieren umgeben zu sein – das musste toll sein. Und je mehr sie sich daran gewöhnte, dass keines dieser Tiere normal war, desto gespannter war sie, was wohl in den Ställen lebte.

 

(22./23.08.2015, 614 Wörter.

EDIT: Teil 8 ist fertig.)

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2 Kommentare

  1. Ich bin auch gespannt, was da alles lebt… Hoffentlich geht’s bald weiter!

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