Jetzt mal ehrlich

Wieder einmal sitze ich an einem Sonntagabend vor meinem Laptop, und mir fällt nichts ein. Was habe ich eigentlich die ganze Woche über gemacht? Ich müsste doch Zeit zum Schreiben gehabt haben… Offensichtlich habe ich die aber nicht genutzt.

Selber Schuld, könnte man sagen, und wahrscheinlich hätte man recht (wer auch immer „man“ ist). Zu meiner Verteidigung möchte ich allenfalls noch anmerken, dass ich aber auch überhaupt keine Idee hatte. Und worüber soll ich denn bitte schreiben, so ganz ohne Idee?

„Das hat dich noch nie von irgendwas abgehalten“, könnte der (oder die?) Man von vorhin jetzt sagen, und ich muss zugeben, es gibt den einen oder anderen Text auf diesem Blog, bei dem ich das schwerlich abstreiten könnte… Was soll ich sagen? Ich habe nie versprochen, dass das hier Shakespeares gesammelte Werke werden.

Ich gebe zu, besonders stolz bin ich trotzdem nicht, weder auf vergangene Ausrutscher (…Ausrutscher, genau. So werde ich das nennen; ausgerutscht klingt so viel besser als faul oder einfallslos) noch auf diesen Text. Mir bleibt nur noch zu hoffen, dass meine Ehrlichkeit erfrischend wirkt.

Tut sie das? Erfrischt sie euch? Fühlt sie sich an wie eine Flasche eisgekühlter Limonade in eurer liebsten Geschmacksrichtung an einem heißen Sommertag? Die Sonne brennt schon, kaum dass sie aufgegangen ist, und ihr habt den ganzen Tag geschwitzt, auf der Arbeit oder in der Schule oder in der Uni oder vielleicht sogar zu Hause, weil diese verdammte Hitze in jeden Raum drängt und der Schatten schon lange nicht mehr kühlt. Doch jetzt holt ihr diese Flasche aus dem Kühlschrank, oder, noch besser, wie in so einem Werbespot, aus einem Eimer voller Eiswürfel. Die Flasche fühlt sich schon in der Hand frisch an, eiskalt und nass von den schmelzenden Eiswürfeln, mmm, was für ein tolles Gefühl. Ihr haltet erst einmal die feuchte Flasche an eure Stirn und Wangen, ja, das fühlt sich gut an, das frische Eiswasser auf eurer brennenden Haut, wie es den klebrigen Schweiß herutnerwäscht. Dann nehmt ihr einen Flaschenöffner – wusstet ihr, dass die Dinger offiziell Kapselheber heißen? Na, jetzt wisst ihr es jedenfalls – und öffnet die Flasche. Es zischt leise, und die Kohlensäure lässt ein paar Bläschen aus der Flasche steigen, die in der Luft platzen und lecker riechen. Und dann setzt ihr die Flasche an und trinkt den ersten eiskalten Schluck.

So ungefähr? Fühlt sich meine Ehrlichkeit so an? Wahrscheinlich nicht – na gut, wem mache ich hier etwas vor, ganz sicher nicht. Aber, und das ist die Hauptsache, diese völlig übertriebene und zugegebenermaßen arg weit hergeholte Metapher hat mir über zweihundert Wörter gebracht. Zweihundert! Das sind vierzig Prozent von der selbstauferlegten Mindestwortzahl. Nicht schlecht für etwas, das so an den Haaren herbeigezogen ist.

Vielleicht sollte ich mehr davon bringen. Weit hergeholte, in liebevollem Detail ausgeschmückte Metaphern – ob da meine Zukunft liegt? Die Zukunft dieses Blogs?

…hey, ganz ruhig, war nur ein Scherz. Ich werde mich in Zukunft wieder um ein bisschen mehr Qualität bemühen, versprochen. Ich meine, schaut euch meine letzten Texte an! Da waren großarti-… ganz hervorragen-… toll-… also, so halbwegs brauchbare Sachen dabei. Einzelne, auf die ich sogar ein bisschen stolz bin. Kein Shakespeare, ich geb‘s zu, aber der hätte mit meinem Blogkonzept sowieso Probleme. Seine Dramen sind viel zu lang, und 500 Wörter in ein Sonett packen? Holla die Waldfee, da haste was zu tun. Das sind ja gerade mal 140 Silben, normalerweise.

Und, schau mal einer an! Mit ein bisschen Shakespeare-Dissen habe ich die fünfhundert geknackt. Ist das nicht erfrischend? Wie eine… nein? Aber ihr seid froh, dass es vorbei ist, richtig?

Ja. Ich auch, liebe Leser. Ich auch.

 

(20.03.2016, 600 Wörter. Hey! Was für eine schöne runde Zahl! Und nächste Woche gebe ich mir mehr Mühe, versprochen.)

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ein Kommentar

  1. Vielleicht hast du dir mit diesen 500 Wörtern selbst eine Falle gestellt? Und manchmal müssen wir auch schweigen. Vielleicht keine 500 Tage lang. ;-)

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