Einbruch mit Hindernissen (Teil 2)

(Teil 1)

Alles ging zu schnell, um zu denken. Als die steinerne Chimära vor Andru auf dem Rasen landete, konnte er nur noch reflexhaft handeln, und seine Reflexe brachten ihn dazu, sich zur Seite zu werfen und auf dem weichen Gras abzurollen. Keine Sekunde zu früh, denn kaum dass seine Schulter den Boden berührte, landete die Pranke des Monsters an der Stelle, an der er eben noch gestanden hatte. Andru konnte die Wucht des Hiebs spüren.

Er sprang so schnell wie möglich auf, doch die Chimära setzte ihm sofort nach. Er sprang, wich aus, stolperte, fiel.

Als er hastig zur Seite rollte, um dem Monster auszuweichen, sah er plötzlich etwas aufblitzen. Da, auf der Brust des Steintiers, direkt über dem Fleck, an dem bei einem echten Löwen das Herz sitzen müsste, glänzte etwas, das heller war als der dunkle Granit. Andru rappelte sich auf und versuchte noch einen Blick darauf zu erhaschen. Vielleicht eine Schwachstelle in seiner Haut? Gegen ein Monter aus massivem Stein hatte er keine Chance, das wusste er, und bisher war er so mit dem reinen Überleben beschäftigt, dass er über eine Flucht noch nicht einmal hatte nachdenken können. Wenn das so weiterging, wäre er ohnehin bald völlig erschöpft.

Doch wenn das Untier eine Schwachstelle genau über seinem Herzen hatte, konnte er es vielleicht doch besiegen. Er ließ das Messer, das er stets in seinem rechten Ärmel verbarg, herausschnellen. Als das Monster sich wieder auf ihn stürzte, ließ er sich erneut zu Boden fallen, dieses Mal so, dass die Vorderpfoten rechts und links von seinem Kopf landeten.

Er riss ihn hoch. Das Löwenmaul schnappte nach ihm, und er hörte steinerne Zähne direkt hinter seinem Kopf knirschen, wo sie in das Gras bissen, auf dem er gerade noch gelegen hatte. Mit fliegenden Fingern stieß er das Messer in die glänzende Stelle – und rutschte ab. Auch dieser Teil war aus Stein. Allerdings, wie er jetzt sah, aus Diamant statt Granit. Und er hatte versucht, dort zuzustechen! Verdammt. Jetzt war er tot.

Zu seiner Überraschung war es nun jedoch das Monster, das zurückwich. Es machte einen Satz nach hinten und senkte den Kopf, um ihn anzuknurren.

War der Diamant doch eine Schwachstelle?

Andru musterte die Bestie. Der Diamant war von ihrem Kopf verdeckt, doch er hatte sich gemerkt, wo er saß. Immerhin war er ein Dieb. Herauszufinden, wo wertvolle Gegenstände waren und wie er an sie herankam, war seine Spezialität.

Er täuschte einen Angriff an. Sofort hieb die Chimära mit einer Löwenpranke nach ihm. So kam er nicht voran. Eine andere Taktik musste her.

Er richtete sich auf und ließ die Arme hängen. Die Chimära ließ ihn nicht aus den Augen. Andru machte langsam einen Schritt nach hinten, aufmerksam auf ihre Reaktion lauernd. Sie folgte ihm mit dem Blick, rührte sich aber nicht. Er drehte sich zur Seite und ging wieder auf das Haus zu.

Sofort sprang die Chimära auf ihn los. Er duckte sich unter ihr hinweg. Ihre Brust prallte gegen seinen Kopf, doch er reagierte gerade noch rechtzeitig und ging mit der Bewegung mit. Trotzdem tat es verdammt weh. Das gab mindestens eine Beule.

Keine Zeit, darüber nachzudenken. Bevor die Chimära reagieren konnte, hatte er sein Messer seitlich unter den Diamanten gerammt und nutzte ihn wie einen Hebel, um das Juwel aus seiner steinernen Fassung herauszubrechen. Darunter musste die verwundbare Stelle sein, da war er sicher.

Mit einem Plopp löste sich der Stein und fiel in seine wartende Hand. Er rammte das Messer in das neu entstandene Loch, doch es stieß knirschend auf Stein.

Andru stieß einen Fluch aus. Das war seine einzige Chance gewesen. Jetzt war er so gut wie tot.

…Oder doch nicht? Die Chimära jedenfalls zuckte mit keinem Muskel.

Andru hielt den Atem an, doch nichts geschah. Er tippte gegen ein Bein. Kalter, starrer Stein.

Er kroch unter der Chimära hervor. Sie war wieder nichts als eine leblose Statue. Andru schaute zwischen dem Diamanten in seiner Hand und dem Standbild des Monsters hin und her. Was hatte das zu bedeuten?

 

(03.04.2016, 664 Wörter.

EDIT: Nächster Teil! Es sieht so aus, als hätte der arme Andru noch was vor sich…)

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2 Kommentare

  1. Loving this! :-)

    1. Danke :-) Das freut mich.

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