Einbruch mit Hindernissen (Teil 4)

(Teil 1; Teil 3)

Irgendwie musste Andru aus diesem verdammten Gang herauskommen… wenn er doch nur wüsste, wie der Zauber funktionierte! Das Steinmonster im Garten hatte er zwar nur durch Zufall besiegt, aber immerhin hatte er herausgefunden, wie die Statuen zum Leben erweckt wurden. Ob es hier etwas Ähnliches gab?

Er schaute sich aufmerksam um und ließ den Strahl seiner Lampe an den Wänden entlangwandern.

Verdammt. Was war das? War die Tür direkt neben ihm nur angelehnt? Ein furchtbarer Verdacht befiel ihn. Vorsichtig öffnete er sie und spähte in das Zimmer. Sonnenlicht strömte durch das ladenlose Fenster und brachte den Staub zum Flimmern. In einer der Fensterscheiben war ein kreisförmiges Loch, und dahinter auf dem Rasen konnte er noch die wiederversteinerte Chimära sehen.

Er hatte sich keinen Meter weiterbewegt.

Andru fluchte leiser. Wen auch immer die alte Frau angestellt hatte, um ihr Anwesen zu schützen – der Zauberer hatte ganze Arbeit geleistet. Oder waren es mehrere? Die Chimära im Garten war eindeutig durch einen klassischen Runenzauber zum Leben erweckt worden. Der Flur wirkte eher wie das Werk eines Illusionisten… Was schlecht wäre, denn gegen einen guten Illusionisten kam man eigentlich nur mit dem richtigen Talisman oder Gegenzauber an. Andru tastete rasch seine Taschen ab. Nein, er hatte keinen passenden Talisman dabei, nur einen kleinen generellen Antimagie-Anhänger, doch der war offensichtlich nicht stark genug, sonst hätte die Illusion im Flur nie gewirkt.

Er ging wieder hinaus, ließ diesmal aber die Tür offenstehen. Vielleicht konnte er den Rand der Illusion finden; manchmal brachte einen das weiter…

Noch einmal untersuchte er die Wand, Zentimeter für Zentimeter, von der Tür, aus der er getreten war, bis zur nächsten offenstehenden. Nichts. Der Gang schien in einer nahtlosen Schleife gebaut zu sein. Ob er wieder in den Garten gehen und es an anderer Stelle versuchen sollte? Doch dann würde er gegen ein weiteres Steinmonster kämpfen müssen, worauf er eigentlich wenig Lust hatte.

Er ließ den Strahl seiner Lampe ziellos an der Wand herumwandern und malte Lichtmuster, während er seinen nächsten Schritt überlegte. Als er dabei den Türrahmen erwischte, fiel ihm plötzlich etwas auf, das er bisher übersehen hatte. Sofort kehrte seine Energie zurück, und er trat näher zu der seltsamen Stelle, um sie genau zu untersuchen.

Tatsächlich, im Lack des Türrahmens, ein Stück unter seiner Augenhöhe, war etwas einritzt.

Eine Rune.

Wie auf dem Stein der Chimära.

Er pfiff leise durch die Zähne. Raffiniert, den Anker nicht an der Wand unterzubringen, wo man ihn vermuten würde. Die Wiederholung musst genau am Türrahmen anfangen.

Er zog sein Messer hervor und schabte vorsichtig über den Lack. Das Zeichen war tiefer eingeritzt, als es den Anschein gehabt hatte, und er drang bis zum Holz vor in seinem Bemühen, es zu beseitigen. Schließlich jedoch war es so weit. Von der Rune war nichts mehr zu sehen.

Andru blickte hoch. Der Flur war ein Stück länger, die Türen hatten unregelmäßige Abstände, und vor allem – keine einzige bis auf die, an der er stand, war offen.

Er grinste und steckte das Messer weg. Dann schlenderte er zum Ende des Ganges, suchte und fand die kleine, gut getarnte Tapetentür in der Schmalseite und stand im Treppenhaus der Dienstboten. Durch kleine, verstaubte Fenster auf den Treppenabsätzen kam ein wenig schummriges Licht, gerade genug, um die dunklen, ausgetretenen Stufen zu erkennen, die links nach oben und rechts nach unten führten.

In den Keller. Andru nahm die Lampe in die eine Hand, das Messer in die andere und machte sich an den Abstieg.

 

(17./24.04.2016, 574 Wörter. Es geht weiter! Ab jetzt läuft bestimmt alles wie am Schnürchen.

EDIT: Hier ist Teil 5.)

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ein Kommentar

  1. Es bleibt spannend! :-) Danke fürs teilen.

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